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Lehrer Gottfried Pfeiffer

Gottfried Pfeiffer

* 04. April 1816 / 14. April 1868

Geboren am 04. April 1816 Gestorben am 14. April 1868

Am 28.06.1837 heiratete er in Deutz die Maria Magdalena Hoffmann. Sie bekamen 8 Kinder, wovon 3 Kinder sehr früh verstarben.

Man muss versuchen auf einer Zeitreise zu gehen. Sich in die Zeit vor 150 Jahren zurück zu versetzen um zu begreifen welch edler Mensch dieser Lehrer Pfeiffer war und was er alles auf sich genommen und geleistet hat.

Die erste Schule in Poll stand an der Ecke Müllergasse (Mühlengasse - wegen einiger Windmühlen) und Kuhgasse (die heutige Maifischgasse) und hatte neben dem Klassenraum nur einen Schlafraum und eine Küche für den Lehrer. Die Lehrerbesoldung musste von der Gemeinde selbst aufgebracht werden, war aber so gering und so unregelmäßig, daß sich der Amtmann Sandt von Deutz über die Poller beschwerte, "sie ließen ihre Schulhalter derart darben, daß sie Jährlings davonlaufen müssten".

Bei einer Schulabschlussprüfung am 26. September 1810 wurde fest gestellt, daß von 59 schulpflichtigen Poller Kindern nur 5 die Schule regelmäßig besucht hatten, 8 erschienen selten, 46 nie! Die Ursachen lagen darin, daß die Eltern ihre Kinder zur Haus- und Feldarbeit anhielten, oder auch nur aus "eigensinniger Halsstarrigkeit" (die auch heute noch in Poll vorzufinden ist) nicht zur Schule schickten.

Mit dem Schulgeld, das die Kinder regelmäßig monatlich dem Lehrer mitbringen sollten, war es ebenso. Anstelle des Geldes wurden oft minderwertige Naturalien mitgebracht, und um nicht ganz zu verkommen, musste der Lehrer in die Häuser seiner Schüler gehen und das geringe Schulgeld regelrecht erbetteln.

Inzwischen war das Schulhaus längst zu klein geworden. Man entschloss sich deshalb 1827, einen Erweiterungsbau mit einer Kapelle auszuführen (Kosten: 491 Reichstaler). Der 1829 bezogene Erweiterungsbau war aber bald wieder zu klein, so daß die Kapelle als Klassenraum mitbenutzt wurde. Dies als kleine Einführung um zu erahnen was für eine ärmliche Zeit damals herrschte.

Am 12. Juli 1834 erschien im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Köln, unter Verordnungen und Bekanntmachungen: In das katholische Schullehrer-Seminar zu Brühl sind aus unserem Regierungsbezirk als Zöglinge des am 01. August zu eröffnenden Lehrer-Kursus. Die nachgenannten 13 Schulamts-Präparanden sind aufgenommen worden. Als 13. Zögling wurde Gottfried Pfeiffer aufgelistet. Im Jahre 1839 im Alter von 23 Jahren trat Lehrer Pfeiffer in Poll seinen Dienst an.

Auszug aus dem Amtsblatt 1840:
Der Schulamts-Kandidat und bisherige Hülfslehrer an der katholischen Knabenschule der Pfarre St. Peter da hier, Gottfried Pfeifer, ist als Lehrer der Schule zu Poll, im Köln, unterm 4. Februar 1840 ernannt worden.

Bis zu seinem Tod, am 14.04.1868, war er der hoch geachtete Lehrer der Poller. Als einziger Lehrer musste er, in dem aus dem Jahre 1829 errichteten Erweiterungsbau und unter Mitbenutzung der Kapelle mehr als 147 Kinder unterrichten.

Er fand fast nur Armut und Elend vor. Unter welchen Mühen und Belastungen der tägliche Überlebenskampf von statten ging kann man sich in unserer Zeit gar nicht mehr vorstellen. 1856 bekam er auf sein ständiges kämpferisches Drängen eine zusätzliche Lehrerin nach Poll genehmigt. Immer wenn die Not groß war, haben sich auch in unserem Heimatort die Menschen zusammengeschlossen, um in der Gemeinsamkeit Hilfe zu finden. Man gründete Vereine, die den Mitgliedern zwar feste Verpflichtungen auferlegten, ihnen aber auch in Notzeiten eine verlässliche Hilfe boten. Die wohl älteste Gründung dieser Art ist die heute noch bestehende St. Maternus Kranken- und Sterbekasse Köln-Poll. Hören wir einen Auszug, was in der alten Chronik dieses Vereins darüber berichtet wird:

Es war am Vorabend des Dreikönigstages Anno 1844, als der damalige Lehrer Gottfried Pfeiffer die Gaststube des Wirtshauses Matthias Hackenbroch zu Poll betrat, "nicht, um dem Wirtshausleben zu frönen" - wie der Chronist ausdrücklich vermerkt -, "denn sein Gehalt war ein gar klägliches zu nennen, 200 preußische Taler im Jahr". Vielmehr pflegte der Lehrer sich bei solchen Gelegenheiten die Sorgen und Nöte der Dorfbewohner anzuhören, deren Anliegen er stets als die seinen betrachtete. Poll zählte zu jener Zeit knapp 900 Einwohner. Wie es in der Überlieferung heißt, lebten die Leute "teils aus dem Erlös der Milch, die sie nach Köln brachten, teils betrieben sie die Fischerei. Und nur wenige waren in der Gemeinde, die wohlhabend zu nennen waren." Auch an diesem Abend erfuhr Gottfried Pfeiffer wieder einmal von dem bitteren Schicksal, das Krankheit und Tod in einige Familien des Dorfes gebracht hatten. Es gab damals noch keine organisierte Armenunterstützung; und so herrschte in solchen Fällen bei den Armen, die dann lediglich auf die Wohltätigkeit einiger reicher Leute angewiesen waren, oft sehr große Not. Da reifte in dem Lehrer der Entschluss, einen Kranken-Unterstützungsverein zu gründen, der im Sinne der christlichen Nächstenliebe die Bewohner der Gemeinde Poll zu einer Hilfsgemeinschaft zusammenschließen sollte. Es verging aber noch ein ganzes Jahr, bis dieser Plan verwirklicht werden konnte. Am 2. Februar 1845 unterschrieben, unter der Aufsicht des Ortsschöffen Wilhelm Dix, 95 Mitglieder (die des Schreibens unkundigen mit + + +) die von Gottfried Pfeiffer sorgfältig ausgearbeiteten Statuten.

"Jeder männliche Einwohner der Pfarre Deutz", so weist die noch vorhandene eigenhändige Niederschrift des Gründers aus, "im Alter von 16 bis 40 Jahren, der nicht unter Polizeiaufsicht oder in der 2. Klasse des Soldatenstandes steht, keine kriminelle Handlung begangen, eine Einlage von 10 Silbergroschen zahlt und sich zu einem wöchentlichen Beitrage von 1 Silber-groschen verpflichtet, ist Mitglied dieses Vereins". Wenn uns auch heute die damaligen Bestimmungen seltsam anmuten und uns die Leistungen recht bescheiden erscheinen, so ist die Gründung einer solchen "Hülfskasse" zu jenem Zeitpunkt doch als eine außerordentliche soziale Tat zu werten.

Erst 40 Jahre später, am 15. Juni 1883, brachte das preußische Krankenkassengesetz eine allgemeine spürbare Hilfe gegen die wirtschaftliche Not in Krankheits- und Sterbefällen. Heute verbirgt sich hinter dem alten Namen eine moderne Sterbekasse, die bei ansehnlicher Mitgliederzahl durchaus in der Lage ist, Hilfe zu leisten.

Im Jahre 1846 wurde mit einem Kostenaufwand von 4.000 Talern Ecke Hauptstraße Schulpfad durch seinen Einsatz ein neuer Schulbau errichtet.

Am 08. Dezember 1847 gründete er, unterstützt von dem Oberschöffen Hasenberg, mit 15 weiteren Pollern unter seiner Leitung den 1. Kirchbauverein.

Aus den anfänglichen 17 Mitgliedern wurden 1848 dann 112 Mitglieder und bis 1850 dann 482 Mitglieder.

Die Grundsteinlegung fand am 13. September 1862 statt und die Einweihung am 21. Dezember 1864. Vorausschauend kämpfte Lehrer Pfeiffer, vor der Abtrennung von der Pfarrei St. Heribert in Deutz, auch für einen eigenen Friedhof für die Poller Bevölkerung. Der Friedhof wurde dann zum Jahresanfang 1868 genehmigt, eröffnet und eingeweiht. Es sollte wohl ein Wink des Schicksals sein, dass Gottfried Pfeiffer einer der ersten war, der auf diesem Friedhof vor nun 150 Jahren beerdigt wurde.

Nach seinem Tode erhielt Lehrer Pfeiffer den Beinamen: "Wohltäter der Gemeinde".

Nach ihm wurde Jahre später zu seinem Gedenken die Sackgasse zwischen der Bäckerei Busbach und dem ehemaligen Blumengeschäft Gohr (von den alten Pollern "Zoe Büggel" genannt), in Pfeiffergasse getauft. Wir, die Nachkommen der Poller, können und müssen uns, hier vor der Grabstelle, dieses edelmütigen Menschen, der sich mit seiner ganzen Kraft und seinem stetigen Bemühen für Benachteiligte einsetzte, dankbar verneigen und ihm weiterhin diese Dankbarkeit in unseren Herzen bewahren. Denn ohne seinen unermüdlichen sozialen Einsatz und die Fürsorge für alle Poller Belange wäre Poll nicht das, was es heute ist.

Danke Gottfried Pfeiffer!

Quelle: Zusammengestellt von Willi Muyrers

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