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Erleichterung, kein Straßenstrich in Poll

 OB Harry Blum /  17. März 2000

Mit Erleichterung haben die Poller Bürger auf die Ankündigung von Oberbürgermeister Harry Blum (CDU) reagiert, den Straßenstrich doch nicht an die Polier Wiesen verlegen. Auf einer eilig anberaumten Podiumsdiskussion machten die Poller dennoch ihrem Ärger über die ursprünglichen Pläne ihrs OB Blum Luft, wenn auch die Wut der Freude gewichen ist.

Hans Burgwinkel vom "Poller Maigeloog" nannte Blums ersten Vorschlag "eine populistische Strichaktion, die jegliche Ortskenntnisse vermissen lässt." Der Vorsitzende des Poller Bürgervereins, Dieter Heinecke, wies darauf hin, dass die Poller Wiesen zu den beliebtesten Ausflugszielen der Kölner gehöre. Außerdem befände sich in unmittelbarer Nähe eine Grundschule. Beides vertrage sich nicht mit einem Straßenstrich.

Man hat die Meldung extra am 21. Dezember an die Öffentlichkeit gegeben, weil sie dachten, wir wären mit unseren Weihnachtsgeschäften ausgelastet. "Aber wir waren auf dem Posten", meint Heinecke. Harry Blum habe sich eine Menge Ärger durch seinen klugen Rückzug erspart. Der Poller Bürgerverein habe bereits Demonstrationen geplant. Auch ein Gang vor Gericht sei nicht ausgeschlossen ausgeschlossen gewesen, so Hr. Dieter Heinecke. Für den Vorsitzenden des Bürgervereins ist die neue Planung allerdings nicht auf eine Gesinnungsänderung des OB zurückzuführen: Blum habe lediglich keine Unterstützung aus der Bevölkerung und den Parteien erfahren, steht für Heinecke fest. Nicht einmal die örtliche CDU habe dem OB zur Seite stehen wollen. Bezirksvertreter Jürgen Hollstein (CDU) hat sich schriftlich von Blum distanziert. Auch die FDP signalisierte Ablehnung: Und wenn die FDP im Rat Nein sagt, bedeutet das Nein so Heinecke mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat. SPD-Ortsvereinsvorsitzender Ingo Jureck kritisierte: "Das sogenannte Denkmodell wurde ohne Sinn und Verstand an die Öffentlichkeit getragen. Solch stümperhaftes Vorgehen hätte es beim früheren SPD-Oberbürgermeister Burger nicht gegeben." Indes: Die Verlegung des Straßenstriches nach Poll ist noch nicht ganz vom Tisch. "Die Situation im Eigenstein ist unhaltbar", sagte Ratsherr Martin Börschel (SPD) vom zuständigen Ausschuss Allgemeine Verwaltung. Börschel, der zugleich Ortsvereinsvorsitzender der SPD in der Nord-Innenstadt ist, sagte, die Verwaltung prüfe derzeit mehrere Standorte. Ein Erfahrungsbericht liege erst im März vor. "Wir werden weiter am Thema bleiben. Ein Standardrezept habe ich aber nicht."  Hans Burgwinkel & Hans-Dieter Heinecke

Ratsherr Volker Buna (Grüne) betonte für seine Partei: "Poll ist de facto vom Tisch." Er warnte aber davor, die Prostituierten in entlegene Gebiete abzuschieben, wo sie vor der Gewalt ihrer Zuhälter nicht geschützt werden könnten. Den Standort Niehler Hafen zum Beispiel würde von den Prostituierten aus diesem Grund nicht akzeptiert. "Es nützt nichts, wenn wir ein Papier unterschreiben und die Prostituierten halten sich nicht daran."

Nicht im Auswahlverfahren für den Standort des Straßenstriches wird wahrscheinlich die Empfehlung eines entrüsteten Poller Bürgers aufgenommen werden: "Die sollen den Strich doch nach Sürth legen", meinte der Mann in Anspielung auf Blums eigenen Wohnort im Kölner Süden.

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