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Poller Heimatmuseum Hans Burgwinkel

Die Poller sind doch keine Holländer oder doch?

Ein Thema für Geschichtsrecherche, Masterarbeit, Promotion etc. Nederlande Bootstour

Laut dem rechtsrheinischen Standardwerk zur Geschichte von Peter Simons wurde Poll "den Überlieferungen nach" von niederländischen Fischern gegründet.

Dies bezweifle ich massiv aus vielerlei Gründen.

Das rechte Rheinufer war von den Römer "freigeräumt" worden, also unbewohnt und gefährlich. Im 4. Jahrhundert bauten die Römer eine Brücke zum rechtsrheinischen Ufer und legten das Kastell Deutz an. Später dürften sich, wie in diesem Rahmen oft üblich, in der Nähe des Kastells pensionierte Legionäre oder Einwohner angesiedelt haben, mit ziemlicher Sicherheit zunächst keine "Ausländer" waren.

Im Rahmen der Völkerwanderung stürmten dann die Franken das rechtsrheinische Rheinufer und siedelten sich in und um Deutz an. ln Poll wurden vor ca. hundert Jahren unzählige fränkische Gräber gefunden, was darauf schließen lässt, dass sich die Franken möglicherweise auch in Poll ansiedelten. Auch die Anlage der historischen Bauernhöfe in Poll lässt angeblich auf fränkische Muster schließen. Im Zuge der Christianisierung waren Klöster mit großem Grundbesitz in und um Köln entstanden. Diese vergaben dann Lehen mit Bauernhöfen, Land und Fischereirechten. Die Fischerei war meist mit den Gutshöfen verbunden.

Möglicherweise siedelten die Franken auf den höhergelegenen Stellen in Poll, daher könnte auch der Name Poll (= Hügel, Berg) kommen. Die Fischerfamilien, die für die Klöster arbeiteten siedelten sich meiner Schätzung nach am Rheinufer (Weingartengasse; Mühlengasse/Mühergasse) an.

Der einzige Name mit niederländischem Bezug taucht im Mittelalter in Rolshoven auf, allerdings nicht als Fischer, sondern als "Waffenträger".

Sicherlich ist es möglich, dass sich einzelne niederländische Fischer am Kölner Rheinufer ansiedelten, weil z.B. Maastricht zum Erzbistum Köln gehörte und hier starke Handelsbeziehungen bestanden. Auch holländische Heringe wurden in größeren mengen in Köln verkauft....

Aber dass dadurch Poll entstanden ist???
Ich freue mich über jeden, der in dieser Sache weiterhilft.


Vera Leininger:
Ich sehe da ein methodisches Problem, dass man auf die Quellen aus der Römerzeit und schon Garnichts aus dem Mittelalter aber auch früher Neuzeit nicht mit dem Denken oder Vorstellungen der letzten zwei Hundert Jahren heran gehen kann. Als Historiker sehe da in den "Urzeiten" eher eine absolute Mischung aus allen "Menschen" aus allen Richtungen, wie es eben an den Ufern aller große Flüsse statt findet - bzw. stattfand. Und einmal ein Einfall aus dem Osten oder Norden - und genetisch war wieder mal alles wieder anders. Wichtig ist die Fragestellung, was will man eigentlich herausfinden. Woher die Menschen in Poll kommen? Da braucht man gar nicht ins Mittelalter zu gehen, sondern sich die letzten 70 Jahre der Geschichte anschauen - und dabei sieht man, vorwiegend aus Schlesien. Das ist eben lauf der Geschichte, dass bei den Vertreibungen Menschen irgendwo angesiedelt werden, oder sich ansiedeln, wo sie vorher nicht da waren. Den älteren Ursprüngen der Menschen liegen in Poll, aber daran ist gar nichts zu beweisen - und ganz ehrlich, finde ich auch ethisch nicht besonders vertretbar darauf irgendeinen Wert zu legen. Etwas Faktisches herauszufinden, das ist dank der wenigen Schriftlichkeiten - man hat eben nur einige Einträge und kaum irgendwelche zuverlässige Daten - kaum möglich. Und die wenigen (zumeist von der Kirche entstandenen) Schriftlichkeiten sind ja schon so durchgekaut, das würde auch keine nennenswerte Arbeit in Geschichte hervorbringen. Poll und seine Geschichte in einen größeren Zusammenhang zu bringen und die Entwicklung einzuordnen dagegen ja. Aber derzeit ist die Quellenlage ist sehr mager. (Als wir mal darüber kurz gesprochen haben - ja im Hinblick auf die jüdische Bevölkerung ließe sich etwas herausfinden, weil da eventuell (wage dennoch) Erwähnungen im Hinblick der Stadt- bzw. Gemeindebücher etc. zu finden sind.) Poller als Nachfahren der Holländer zu bezeichnen, ist daher ein totaler Blödsinn - da es ja um 800 eben fränkische Stämme waren - und vorher Römer und germanische Stämme, und erst ab 1795 gab es ja ein "Holland". Und eventuell ein Fischer (egal von wo) eben macht noch kein ganzes Dorf aus, Also man darf nicht Begriffe der sog. Völkerwanderung nicht mit dem national-belasteten politischen Verständnis von "Volk" des 19. und 20. Jahrhunderts zu vermischen. lang den Medien macht man es zum Verdruss der Berufshistoriker ständig

Vera Leininqer Nachtrag:
Als interessanteres - da mehr quellenreiches Thema -würde ich die Geschichte von Peter Simons sehen - weil man von da auch seinen Zugang und Auswahl der älteren Quellen einordnen und auswerten könnte. Schließlich war die Zeit seiner Veröffentlichungen mehr als turbulent. Sein Nachlass ist ja in den Archiven zu finden. Auch merkwürdig, dass man ihm erst nach 50 Jahre erst mal wieder 2010 (berichtige mich, wenn ich mich irre) wortwörtlich "ausgegraben" hatte. (Er ist nicht der Einziger, der dieses Los teilt.).

Quelle: Gesehen, gehört, erzählt von Hans Burgwinkel / Foto: Bootstour 1993 © Albert Ackermann

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